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Unterricht plus

Hessen hat eine “Verlässliche Schule” eingeführt. Ein Kommilitone von mir würde  jetzt über diesen Begriff diskutieren. Das wäre verständlich, denn hier lässt sich einiges hinein interpretieren. Das Kultusministerium beschreibt die Massnahme aber kurz. Auszug:

“Ab dem Schuljahr 2006/ 07 werden wir für alle Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 1 bis 10 verlässliche Unterrichtszeiten zwischen der ersten und sechsten Stunde gewährleisten”

Das klingt doch gut. Endlich können die Eltern sich darauf verlassen, das die Schulpflicht nicht nur durch die Schüler erbracht wird.
Wie wird das gemacht? In Hessen zum Beispiel über Aushilfslehrer. Das ist doch toll, damit können wir Lehramts-Studenten wieder neue Jobs finden. Studiengebühren können so erwirtschaftet werden. Der kurzfristige Einsatz (für Studis natürlich frühestens ab der zweiten Stunde) ist durch unsere Flexibilität möglich, denn kein Prof hat Anrecht darauf, dass die Studenten verlässlich anwesend sind. Verlängerung der Studienzeit erfolgt auch noch durch Praxiseinsatz im späteren Beruf.
Wenn das Konzept aber funktioniert, dann werden die neuen Lehrer vielleicht gar nicht mehr gebraucht. Egal,
es geht ja um die Kinder. Die brauche die Schule. Die Eltern natürlich auch. Wann soll man denn sonst seine Arbeit erledigen, von denen uns die Kinder sonst abhalten.

Folge kann ja auch sein, dass durch verlässliche Schulzeiten die Eltern mehr arbeiten können (Arbeitsplätze soll es ja schon bald wieder genug geben). Dann haben wir ein höheres Volkseinkommen, können uns höhere Bildungsausgaben, z.B. durch private Schulgelder o.ä., leisten. Dann können wir uns auch wieder ausgebildete Lehrer für die Schüler leisten.
Nur wird es bis dahin weniger Schüler in Deutschland geben und das “Problem” ist eh nicht mehr vorhanden. Diese wenigen Schüler müssen dann das womöglich geringer gewordene Humankapital in Deutschland wieder aufholen, damit die Wirtschaft weiter wachsen kann.

Man, ist das kompliziert. Der Staat hat kein Geld für ausreichende Bildungspolitik, weil das Volkseinkommen das nicht hergibt, weil so viele Menschen Arbeitslos sind, weil zu viele nicht ausreichend ausgebildet sind....
Wissenschaftlich theoretisch und empirisch nachgewiesen ist ein direkter Zusammenhang zwischen zusätzlicher Bildung und zusätzlichem Wirtschaftswachstum. Verringern wir die Investitionen in Bildung, dann...

Ein Bericht der GEW lässt mich zusätzlich staunen: es werden gleichzeitig 500 Grundschullehrer/Innen durch Stundenkürzungen Stunden eingespart?

Genug geärgert. Das Problem des Lehrermangels an Schulen kann es nicht sein, dass es keine ausgebildeten Lehrer gibt. Denn viele meiner Kommilitonen bekommen nach dem Abschluss keinen Job.
Es gibt aber viele Langzeitarbeitslose, die gegen eine Aufwandsentschädigung von 1,02€ alles machen müssen, was die ARGE ihnen anbietet. Also: Kinder behütet, Eltern können arbeiten, Bildung bleibt günstig (geiz ist geil)

Ein Vorschlag: Lehramtsstudenten müssen ja zwei Jahre als Referendar arbeiten. Wenn wir jetzt nebenbei Lehrer zur Aushilfe sind, dann könnte man doch diese Praxiserfahrung auf die Referendarszeit anrechnen. Das Studium wird dann nicht durch den Nebenjob länger. Nach dem Abschluss machen wir dann die Stelle wieder für neue Aushilfslehrer frei und bieten nebenberuflich individuelle Nachhilfe an. Damit sich zumindest die Eltern eine Schulbildung leisten können, die genug verdienen.

 

 

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