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FSP in der Realschule 22.03.06 Ein subjektiver Bericht von Manfred
Heute endlich war es so weit. Ich durfte Kinder unterrichten. Um es vorweg zu sagen. Es war klasse. Die Kinder sind zwischen 12 und 14 Jahre alt und so verschieden wie Ihre Anzahl (26) es hergibt. Realschule siebte Klasse in einer ländlichen Gegend. Es war alles dabei, was ich mir vorstellen oder vorher auch nicht vorstellen konnte. Die Rahmenbedingungen wie Schulbusabhängigkeiten oder Grippeepidemien oder das Verbot von dicken Faserstiften in Schülerhänden ausserhalb des Klassenraums, waren nur einige Überraschungen für mich.
Was war die Aufgabe, wie ist es gelaufen und ist das mein Beruf für die nächsten 20 Jahre?
Die Aufgabe
In drei siebten Klassen sollte ein Präsentationsergebnis für die Schulaula erstellt werden. Thema war ein an der Schule geplantes Solaranlagen Projekt. Die genutzten Unterrichtsstunden wurden der Physik entliehen, sollten aber auch die wirtschaftlichen Zusammenhänge darstellen. Mit sechs Studenten wurden wir auf die drei Klassen losgelassen. Die Aufbereitung der zwei Unterrichtsstunden je Studenten war sehr unterschiedlich. Es reichte von Marktwirtschaft über Umweltschutz bis hin zu den physikalischen Grundkenntnissen zu der Frage „was ist Energie?“ Ich wollte es schaffen, den Schülern zu vermitteln, dass Politik nicht langweilig ist. Hierzu wollte ich die Steuerungsmöglichkeiten des Staates aufzeigen, die nötig sind, um trotz unwirtschaftlicher Stromerzeugung, die regenerativen Energieträger zu fördern. Dieses hehre Ziel habe ich nicht erreicht. Ich war jedoch nach der letzten Stunde heute um 13:00 Uhr überrascht, wie viel die „Kleinen“ noch von dem wussten, was wir in „unserer“ Klasse vermitteln wollten.
Wie ist es gelaufen
Den Unterricht begannen wir zu zweit, letzten Freitag um 7:45 Uhr. Glücklicherweise standen uns zwei Stunden direkt nacheinander zur Verfügung. Mein Kommilitone J. und ich lernten die Klasse kennen und wir verdeutlichten das Ziel der nächsten vier Unterrichtsstunden. Die Schüler sollten am Ende eine Plakatausstellung für die Eltern und andere Schüler in der Aula erarbeiten. Dann hat J. die Stunden alleine gemeistert. Und er war beeindruckend gut. Die nächtelange Vorbereitung hat sich also gelohnt. Bleibt die Frage, ob 45 Minuten Unterricht immer 20 Stunden Vorbereitung brauchen. Die Kinder haben aufgenommen und erarbeitet, was Energie ist und was diese leisten kann. Die Schüler können sich, das hat der heutige Tag gezeigt, jetzt auch wirklich etwas unter den Begriffen vorstellen. Es hat mich ehrlich erstaunt, wie viele Zusammenhänge und Erklärungsbilder hängen geblieben sind. Und ich bin mir sicher, einige Eltern können heute Abend viel lernen und bekommen einiges erklärt, was sie selber nicht erklären könnten. Und so soll es ja auch sein. „Meine“ Schüler sind meiner Meinung nach auch stolz auf ihre erzielten Ergebnisse. Fragen wie, „was ist eine kWh“, können die jetzt jedenfalls genauso klar beantworten wie die wie die Frage, „ was ist Energie“. Auch die verschiedenen Energieträger, deren „Herkunft“ und Einordnung als „Sonnenenergie“ oder aus der Erde stammende Energie ist möglich. Selbst solche Nebensächlichkeiten wie die Energieerzeugung durch die Nutzung der Planetenkonstellation (Erde-Mond) sind heute in der Zusammenfassung durch die Schüler wiedergegeben worden. Einen Begriff von den Kosten elektrischer Energie können sie sich jetzt auch machen. Warum aber der Staat eingreifen muss und die Politik sinnvoll und wichtig ist, das bedürfte wohl weiterer 45 Minuten Unterricht. Schade, dass ich die nicht mehr habe. Spaßig war heute vor allem die Gruppenarbeit, in der ich es schaffte, meine Erkenntnis aus der Arbeit mit Erwachsenen hier umzusetzen. Gebe eine Gruppe eine klare Aufgabe und eine knappe Bearbeitungszeit, dann erhältst du auch gute Ergebnisse, die es auf den Punkt bringen. In nur 13 Minuten haben es die vier Gruppen aus jeweils sechs Schülern geschafft, je ein Plakat für die Aula zu fertigen. Die Präsentation der Ergebnisse durch die Gruppensprecher vor der ganzen Klasse war einfach toll. Ich hätte nicht erwartet, das 13-jährige so gut und frei vor der ganzen Klasse und einigen studentischen Beobachtern sprechen können. Da habe ich schon aufgeregtere Studenten bei ihren Uni-Referaten gesehen. Das lief dann heute Mittag, im Gegensatz zu heute Morgen, so schnell und flüssig, dass wir noch Zeit für ein Resümee hatten. Und diese Zusammenfassung der Schüler war überwältigend.
Ist das mein Beruf? JA Ich bin überzeugt, dass das Spaß macht. Das Arbeiten mit Menschen, vor allem, wenn diese lernen wollen, ist einfach befriedigend. Auch wenn ich es später vornehmlich mit 16 bis 20 Jährigen zu tun haben werde. Die Erfahrungen in dieser Realschule und in dieser Konstellation mit unserem Betreuer und den anderen Kommilitonen hat mir mehr gebracht als ein Uni Semester. Auf jeden Fall bin ich überzeugt, dass ich hier deutlich mehr für die Gesellschaft tun kann als in meinem bisherigen Job. Die Tätigkeit im Vertrieb eines grossen Konzerns hat mir einiges an Rüstzeug gegeben, was ich in Zukunft umsetzen kann und werde. Das Arbeiten in Teams, Motivation von Menschen, Moderations- und Präsentationstechniken und die Erfahrungen in verschiedenen Verhandlungs- und Präsentationssituationen helfen mir hier. Das besondere Eingehen auf die Schüler kommt jetzt noch hinzu.
Es macht einfach Spaß zu lernen. Auch wenn ich jetzt schon 39 Jahre hinter mir habe, so kann ich nur jedem raten, die eingefahrenen Wege mal zu verlassen und sich neuen Denkweisen zu öffnen. Die Begeisterung muss jetzt nur noch möglichst lange anhalten. Der Alltag beginnt aber schon in elf Tagen wieder. Dann fangen die Vorlesungen wieder an. Das ist auch schön, aber frisst auch meine komplette Freizeit auf. Zwei meiner Semester-Hausarbeiten wollen auch noch fertig gestellt werden, nur eine schriftliche Ausarbeitung und das FSP habe ich bisher komplett. Also: aufhören hier zu schreiben, Kaffee kochen und die Projektstudie „Programmierung einer SPS am Beispiel eines Treppenliftes“ weiter bearbeiten.
Ein glücklicher Manfred
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